06
Nov 09

Der mediale Kampf gegen Hautrötungen

Kategorie: Real Life |

pickelDa sitzt man Abends Nichts ahnend und völlig desinteressiert vor dem Lieblingsmedienübertragungsmedium der deutschen Bevölkerung und versucht wenigstens 1x am Tag seine Ruhe zu haben, sich nicht aufzuregen und einfach nur stumpf auf das farbarme Bild des Analoganschlusses zu schauen und ist guter Dinge, aber irgendwas musste ja einen Strich durch die Rechnung machen.
Alle Vorkehrungen sind getroffen: In das Telefonkabel einen Knoten gemacht, in der Hoffnung, dem Klingelsignal wird schwindelig und vergisst das Telefon zu erreichen, die Türklingel ist mit 100g feinstem Schwarzpulver ins Nirvana gessprengt worden und der Mitbewohner liegt gefesselt und betäubt in der Abstellkammer.

Man hat quasi für sich selbst gerade ein Fünkchen Hoffnung entfacht das Leben kurz genießen zu können, da gehts auch schon ab in die bunte Welt der Werbung; die Fernbedienung lag gefühlte 700km weit weg und deswegen nun praktisch  nach München eiern ist definitiv zu viel der Anstrengung. So kam ich nicht drum rum und hoffte insgeheim mal einen gut gemachten und evtl.  auch lustigen Spot zu erhaschen.
Aber weit gefehlt:

Schon der 2te Spot war von Clerasil. Der ist jedem bekannt oder? Nein? Ok kleiner Exkurs:
2 Ischen sitzen dumm rum und labern Müll, wie aus dem Nichts *buffz* tauchen 2 15 – 17jährige möchtegern Milchrambos auf und sprechen die beiden sitzenden Weichbirnen an.
Die eine zieht sofort ihre 2qm große Puck-die-Stubenfliege-Brille ins Gesicht und wimmelt die beiden in alter TicTacToe-Verpiss dich -Kür ab.
Die andere gehirnlose Pfirsichdame staunt bunte Bauklötze; da liefert Puck auch schon die Erklärung und zeigt auf 2 kleine 1mm Hautrötungen unter ihrem Auge, erklärt es zum persönlichen Weltuntergang und ist der Ansicht das “Don-de-Playa” sie deswegen nicht toll fände.
Mrs. Werbefreundin legt ihr sofort Clerasil zu Herzen (was man natürlich IMMER in dem weiblichen Gegenstück zum Bundeswehr-Seesack dabei trägt) und es wird erklärt,dass bei Benutzung dieser Quaksalbe in 4 Stunden alles wie weggeblasen ist. Ein bisschen Makeup, was die Beiden sich sichtlich zu genüge ins Gesicht ballern hilt da ja auch nicht.
Da MUSS das Gesicht zum Clerasil-Testgelände erklärt werden.

Erstens:
Das waren keine Pickel sondern leicht rote Stellen auf der Haut!!!

Zweitens:
Wird niemals ein Kerl sagen: Woah, echt geile Sau. Aber diese 2 kleinen Rötungen da unterm Auge. Oh man ne, sorry. Die Frau ist häßlich wie ein saudiarabisches Warzenschwein, die will ich nicht.

Drittens:
Die Werbung ist schlichtweg scheiße.

Nun mal ein wenig Plauderei aus dem Nähkästchen:
In meiner Pubertät damals, obwohl ich da wohl bis heute vom Verhalten her,  der nie wirklich entflohen bin, hatte ich auch ein Gesicht wie eine Pizza Funghi.
Das ist völlig normal und ja: Auch ich probierte Monate lang diese Antipickelkacke aus.
Es hat mir genauso viel gebracht, wie ein Tropfen sauberes Wasser für durstige Menschen nach Äthiopien zu spenden (Sorry, aber diese Art des Hautwassers verlangt einen derartigen Vergleich!)
Ok, das Gesicht änderte sich vielleicht von Pizza Funghi zu Pizza Tonno, aber im Groben und Ganzen bliebt es unverändert.

Aber rechnen wir mal kurz:
Wenn die Werbung recht behält und die Rötungen nach sagenhaften 4 Stunden verschwunden sein sollen, dann gehen wir mal von 1mm pro 4Stunden “Pickel-reduzier-Geschwindigkeit” aus. Was sagt uns das?
-> Wenn wir von einem 10mm Matterhorn auf der Stirn ausgehen, dann dauert die ganze Prozedur unter klinisch reinen Bedingungen 40Stunden.
In der Zeit ist das Okulüt bei einer lustigen Runde Pickeldart vorm Spiegel ausgedrückt, verarztet und in den restlichen 39 1/2 Stunden fast verheilt. Oder man wartet einfach, bis das Dingen von alleine eine Kehrtwende einlegt. Kein Busfahrer wirdjemals sagen: “Ouhh, da müssen Sie aber 2 Fahrtkarten kaufen. Ney Ney, das geht so nicht. Krass, was bist du ‘nen Hässlichen!”

Aber die Werbung kommt wohl bei der Zielgruppe an, ich muss mich wohl daran gewöhnen auch älter zu werden.
Naja, wenigstens musste ich nicht damals als dämlicher Typ in einem Küken-Kostüm rumrennen um ein bisschen Geld (vermutlich fürs Clerasil) zu verdienen, wie im 2ten Werbespot des Anti-Pickel-Wassers. Wir verdienten unser Geld noch mit ehrlichem Zeitungen austragen!

In diesem Sinne:
Man kann nicht nur mit Pfeilen darten!

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von flazer | Über den author:

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